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Der Antisemitismus der anderen

Es gibt derzeit weltweit nationalistische Mobilisierung, hauptsächlich wegen verschärfter Staatenkonkurrenz. (Dazu: Der Nationalismus der anderen.) Zu den Lieblingsthemen der ideologischen Begleitmusik von Sparpolitik und Repression gehören dabei in vielen Ländern neben Polizei, Geschlecht und Klimawandel vor allem Flüchtlinge, Muslime, Linke und DEREN Antisemitismus. Gleichzeitig versuchen sich Protagonist*n dieser Mobilisierung über dessen Skandalisierung selbst reinzuwaschen. Auch unter Linken gibt es teilweise Sympathien für diese konservativ-liberale Position.

Dem widerspricht nun das diese Woche von der FAZ veröffentlichte Umfrageergebnis zu Antisemitismus unter Anhäng*rn im Bundestag vertretener Parteien zumindest insofern, als die Linke nicht schlimmer dasteht als der Rest (was trotzdem natürlich nicht gut ist), während die AfD, die einige schon zur “einzige[n] … antisemitismuskritische[n] … Partei” erklärt hatten, als einzige weit überdurchschnittlich viel Antisemitismus aufweist.

Das heißt: Antisemitismus ist weiterhin zu thematisieren, zu analysieren und zu erklären, zurückzuweisen und zu bekämpfen (was ja durchaus auch passiert), aber eben überall! Ihn für pauschale Stigmatisierung ganzer politischer Richtungen oder Bevölkerungsgruppen zu missbrauchen, arbeitet hingegen nur der nationalistischen Mobilisierung zu. Die funktioniert immer dann am besten, wenn sie Keile zwischen “unilinke“, “normal-einheimische“ und “fremde“ Arbeitskräfte treiben kann, wenn die sich also über politische Differenzen, viel mehr aber über Skandalisierung und Diffamierung als Großgruppen gegeneinander stellen (lassen). Die Aufgabe muss sein, Ideologie überall zu konfrontieren ohne sich darüber als Klasse zu spalten und handlungsunfähig zu machen – oder positiv ausgedrückt: die Überwindung der Ideologie mit der Überwindung der Konkurrenz untereinander zu verbinden.

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Schweinderl